Suchen
Man trifft sie immer wieder: die „Sinnsucher“, die das Oberste zuunterst und das Unterste zuoberst kehren und vice versa und stolz berichten, wie viele psychologische und pseudopsychologische Methoden sie schon angewandt haben, wie viele Seminare sie schon absolvierten und wie viele Hypnosesitzungen sie bereist hinter sich gebracht haben.. wenn man dann nach dem Ergebnis dessen fragt, ist man allerdings oft enttäuscht. Es herrscht eine große Verlegenheit, denn „gefunden“ haben sie eigentlich außer ein paar netten und sicher auch nützlichen Einsichten in die Beschaffenheit ihrer derzeitigen Psyche und allenfalls noch ein paar „Reinkarnationen“ nichts.
Und dann trifft man auch auf jene Menschen, die stolz behaupten, gar nichts zu suchen, da sie nur finden würden. Faszinierend.
Mich fasst jedes Mal das Erbarmen, sowohl wenn ich die Einen wie wenn ich die Anderen höre, denn: beide agieren Lichtjahre an dem vorbei, was „Suchen“ eigentlich ist. Beide meinen, Sinnsuche wäre dasselbe wie das Suchen nach einem Gegenstand, den man irgendwo verlegt oder verbummelt hat. Sie meinen, sie müssten die Ärmel aufkrempeln und.. in mehr oder weniger blinden Aktionismus verfallen, denn meist wissen sie ja nicht, was genau sie da verbummelt haben sollten, und die sie freundlich auffordern, doch auf die Suche zu gehen, beteuern, dass sie es auch nicht wissen, aber man solle doch.. und schon blitzen die Dollarzeichen in den Äuglein. Mein Kommentar dazu deckt sich mit dem Bertold Brechts: Man bleibe mir vom Leib mit solchem Kleister ..
Ja, aber was denn nun? Irgendetwas muss doch daran sein mit dem Suchen. Das Thomasevangelium gibt uns eine ehrliche Antwort: „Wer sucht“ sagt es, „soll nicht aufhören zu suchen, bis er gefunden hat.“ Da steht nichts von dem Suchen „nach“ etwas, da steht nur „wer sucht“. Später aber wird auch gesagt, was gesucht wird, nämlich: das Lebendige. Nanu – sind wir nicht alle lebendig? Müssen wir da überhaupt noch etwas suchen, haben wir es nicht schon längst? Und hat der Autor nicht recht? Suchen wir nicht alle nach diesem Lebendigen, solange wir leben? Nehmen wir nicht unser Leben auf uns um seinetwillen? Nicht „um Jesu willen“ sondern um unserer selbst willen und suchen wir nicht alle von der Geburt bis zum Tod um möglichst viel davon zu finden: viel an Freude, viel an Wohlgefallen, viel an Erfolg, viel an Liebe, viel an Wissen, viel an Vermögen, viel an Sicherheit und so weiter? Denn so wünschen wir uns doch unser Leben, dass es rund, gesund und uns wohlgefällig sei. Danach suchen wir also und wir finden auch irgendwie immer wenigstens ein Stückchen davon in unserem eigenen Leben. Wir suchen also „sowieso“, wir müssen die Ärmel nicht mehr aufkrempeln, als wir es ohnehin schon tun. Es geht nicht darum, irgendwo blind herum zu wühlen.. wie manche Sinnsucher annehmen und – irgendwann resignieren. Mit dieser Resignation kehren sie nur zum Normalfall der Suche zurück – samt allen bis dahin gefundenen Stücken. Keinesfalls hören sie auf zu suchen, wie sie meinen, damit hört der Mensch erst auf, wenn er gestorben ist. Wer also glaubt, er suche nicht mehr, der belügt sich selbst und sein eigenes Leben überführt ihn, denn er sucht ja weiter, er sucht sich das, was er gefunden hat, zu erhalten, er sucht, noch Besseres zu finden als er schon hat.. und wenn ihm das was er hat, genügt, was dann? Dann steht sein Interesse = Suchen auch nicht still, dann interessiert er sich für dies und jenes, für Autos oder Mode oder vielleicht eine Musik die ich ganz subjektiv als Krach bezeichnen möchte, aber das ist Ansichtssache und überdies Sache der individuellen Schmerzempfindlichkeit. Und Mancher interessiert sich dann auch, wenn alles sonst an den Punkt gekommen ist, mit dem er zufrieden sein kann, für so abgelegene Dinge wie Dasein oder „Geheimnisse“ – denn er hat Zeit und er wünscht, diese Zeit irgendwie gewinnbringend zu vertun. Warum soll er es auch nicht, aber er begreift diese Tätigkeiten nicht als „Suche“ – und doch sind sie es. Er tut’s weil’s ihm so gefällt und wo steht denn auch geschrieben, dass eine „Suche“ immer ein leidvolles Erlebnis sein müsste – in fremde Länder zu fliegen ist doch auch nicht leidvoll… es sei denn, man trifft dort auf ein Missgeschick, was aber seltener vorkommt, sonst gäbe es längst keinen Tourismus mehr.
Wer sucht, steht da, soll weitersuchen bis er findet. Und genau das macht er auch. Wer aber übertreibt und herumwühlt, der findet meistens nur das, was er damit erzeugt: Unannehmlichkeiten. Denn – es „funktioniert“ nicht und also erfährt er Frustration. Schlimmstenfalls wird er von dieser gar krank an der Seele. Denn wer sich selbst in Unannehmlichkeiten bringt, wie will der etwas anderes finden als solche? Steuern wir aus unserem Inneren nicht stets uns selbst nach Außen? Also kommt uns nicht stets die Konsequenz unseres Tuns vor Augen? Wer säuft, wird besoffen, wer besoffen ist, hat den Kater? Ist es nicht so? Oder, weniger dramatisch, wenigstens den Muskelkater von zuviel und zu ungewohntem Sport? Oder Magendrücken von allzu viel kulinarischen Genüssen? Und so auch Seelenfrust von allzu viel verkrampfter „Sinnsuche“, auch eine Art Kater, auch eine Art Muskelkater, auch eine Art Magenverstimmung?
Ja aber wie.. nun, es gibt auch Menschen, die mit dem, was sie bis dahin getrieben haben, unzufrieden sind. Wenn es um materielle Mankos geht, werden sie bald wissen, was ihnen fehlt, was aber, wenn materiell alles „da“ ist und die Unzufriedenheit ist immer noch nicht weg? Wenn auch Religionen oder fremde Kulturen oder esoterische „wir haben uns alle lieb“ – Innerlichkeit diese Unzufriedenheit nicht stillt, was dann? Dann wird es Zeit, auf die Suche nach sich selbst zu gehen. Denn das ist ein Alarmzeichen erster Ordnung. Allerdings – wem das nicht widerfährt, der sollte auch die Finger davon lassen, denn Neugierde allein reicht nicht aus. Das ist keine Angelegenheit, die man mal so übers Wochenende in einem Seminar erledigt. Da braucht’s einen langen Atem und einen starken Willen und der wird durch bloße Neugier nicht untersetzt. Und was soll so einer denn nun tun? Er soll an seinem Leben möglichst nichts ändern, das geschieht dann schon von allein. Aber es gibt eine Dimension desselben die er vielleicht hinzu gewinnen muss, damit es weitergeht. Er hat alles was ihm gefiel und was ihn weiter brachte, getan und was er getan hat, war auch nicht falsch. Aber es gibt noch eine Kleinigkeit, die er nicht getan hat und auf die kommt es jetzt an. Es ist wirklich nur eine ganze Kleinigkeit, die keinerlei Verrenkungen oder gegen Entgelt in Anspruch zu nehmende Dienstleistungen erfordert. Nur – getan muss sie werden, das ist alles. Wer erfahren möchte, was das sei, der komme mal kurz und unverbindlich bei uns vorbei…